Musikalische Begleitung: Anna Sutterlüty SA, 27. Juni, 16 Uhr: kulturverein Bahnhof
Siehe: https://www.bahnhof.cc/events/offene-buehne-3/
Leseprobe aus Schnee im Mai
Als Hitler sich das Leben nahm, hingen tiefe graue Wolken über dem Bregenzerwald und es setzte ein Schneefall ein, der über Tage anhalten sollte. Bald strahlte das ganze Tal in einem Weiß, als würde nach fast sechs Jahren Krieg die Natur selbst für einen neuen Anstrich sorgen. Die „Feinde“, die Franzosen, standen vor der Tür, seit einigen Tagen waren ihre Geschwader am Horizont zu sehen und Artilleriefeuer war zu hören.
Wer auf einer Anhöhe wohnte, konnte am 1. Mai 1945 die tieffliegenden Bomber beobachten, die sich gerade über Bregenz stürzten, das am Ende des Krieges noch in Flammen aufgehen sollte. Barbara Hammerer, die Dorfchronistin von Egg, der größten Gemeinde im Bregenzerwald, berichtete am 2. Mai von einer großen Unruhe im Dorf. „Gegenwärtig ist die reinste Völkerwanderung“, schreibt sie. Deutsche Soldaten – auf der Flucht vor den anrückenden Franzosen – versuchten irgendwo unterzukommen. Manche bereiteten sich für den Endkampf vor, die meisten aber warfen ihre Waffen weg und tauschten die Uniform gegen Zivilkleider um.
Am Samstag, den 5. Mai, es war bereits späterer Nachmittag, tauchten in Egg plötzlich die Franzosen auf. Sie kamen nicht wie erwartet über die Hauptstraße, sondern waren von der Bahntrasse aus einem steil ansteigenden Waldweg gefolgt und erreichten so einen auf einer Anhöhe gelegenen Weiler des Ortes. Kein Mensch kam sonst über diesen Weg ins Dorf. Doch die Franzosen waren jeder Brücke ausgewichen, die möglicherweise mit einer Sprengladung zum Einsturz gebracht werden konnte. Als die Besatzer den kleinen Kirchenpfad ins Zentrum hinabstiegen, war bereits das Dorf mit weißen Fahnen geschmückt.
Hammerer merkte ironisch an, die „Hitler“ waren nicht die letzten, die ihr Haus beflaggten. Aber waren da wirklich Franzosen gekommen? Die meisten Soldaten waren „ganz schwarze Neger“, so die Chronistin und trugen auf dem Kopf einen weißen Turban. Schnell machte die Nachricht die Runde, bei den Männern handle es sich um Afrikaner. Sie gehörten der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision an…








