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Architekturspaziergang durch Riefensberg mit Gerhard Gruber und Walter Felder: Wie Baukultur einen Ort prägt – Nachbericht

(mrs)Wie Architektur, Handwerk und vorausschauende Gemeindeentwicklung einen Ort nachhaltig prägen können, zeigte der Architekturspaziergang im Rahmen von Handwerk+Form am vergangenen Samstag. Die Architekten Gerhard Gruber und Walter Felder führten gemeinsam mit Altbürgermeister Herbert Dorn durch die Gemeinde. Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche architektonische und gestalterische Projekte verwirklicht, die das Ortsbild bis heute prägen. Die Veranstaltung fand in Kooperation des Werkraum Bregenzerwald mit der Juppenwerkstatt Riefensberg statt.

Den Auftakt des Rundgangs bildete das Dorfgasthaus Bartle, ein Genossenschaftsprojekt der Riefensberger Bevölkerung, das Gerhard Gruber architektonisch begleitete. Schon hier wurde deutlich, dass Baukultur weit über die Gestaltung einzelner Gebäude hinausgeht. Sie entsteht auch dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und sich für die Zukunft ihres Ortes engagieren.
Wie ein Dorf lebendig bleibt und unterschiedliche Generationen ihren Platz finden, zeigt sich bei der Gestaltung des Dorfplatzes und am Beispiel des „Dorfhus“. Für das verantwortliche Architekturbüro Felder-Geser sind solche Plätze und Gebäude weit mehr als Kulissen des Dorflebens. Wie Architekt Walter Felder erläuterte, beeinflussen sie maßgeblich, wo Menschen einander begegnen, wo sie verweilen und wie sie sich mit ihrem Wohnort identifizieren.

Nur wenige Meter entfernt und über einen Gehweg mit dem Dorfplatz verbunden, liegt das Spielhus, ein weiteres Projekt des Egger Architekturbüros. Das 2005 eröffnete Gebäude vereint Kindergarten und Saal unter einem Dach. Seine klare, minimalistische Formensprache verbindet sich mit lichtdurchfluteten Gruppen- und Bewegungsräumen. Altbürgermeister Herbert Dorn hob in diesem Zusammenhang den wirtschaftlichen und sozialen Wert von Mehrfachnutzungen hervor. Gerade für kleinere Gemeinden seien solche Konzepte angesichts begrenzter finanzieller Ressourcen und hoher Baukosten von besonderer Bedeutung.

Auch der Friedhof ist ein öffentlicher Ort, dessen Gestaltung beeinflusst, wie Menschen sich dort aufhalten, innehalten und Abschied nehmen können. Die Friedhofsgestaltung des Büros Felder-Geser zeigt, wie sensibel Architektur auf die natürlichen Gegebenheiten eines Ortes reagieren kann. Die Einfriedung aus beigen Comblanchien-Platten folgt dem natürlichen Geländeverlauf in einer sanft geneigten Linie und schafft durch eine rhythmische Abfolge der Elemente Blickbeziehungen zum Naturraum.
Mit Gerhard Gruber verbindet Riefensberg eine wichtige architektonische Handschrift. Neben dem Gasthaus Bartle verantwortet er den Umbau der Volksschule und die Adaptierung des Wirtschaftsteils der ehemaligen Krone zur Juppenwerkstatt. Beide Projekte zeigen, wie sich bestehende Gebäude mit gezielten Eingriffen ressourcenschonend weiterentwickeln lassen, ohne ihre Identität aufzugeben.

Bei der Volksschule stand die Aufwertung des ursprünglich nüchternen Schulbaus aus den 1950er-Jahren im Mittelpunkt. Durch zusätzliche Freiräume und differenzierte Aufenthaltsbereiche sollte ein wohnlicher Lern- und Lebensraum entstehen, der Geborgenheit vermittelt und sowohl Rückzug als auch Begegnung ermöglicht. Die Schule wird damit nicht nur als Ort des Unterrichts verstanden, sondern als Lebensraum, in dem sich Kinder wohlfühlen und ihren Alltag gestalten.

Bei der Juppenwerkstatt lag der Schwerpunkt auf der behutsamen Umnutzung der ehemaligen Krone. Das Gebäude wurde zu einer Werkstatt für die Herstellung des traditionellen Bregenzerwälder Juppenstoffs, der die charakteristische Erscheinung der regionalen Frauentracht prägt. Oberste Prämisse der Planung war ein verantwortungsvoller Umgang mit finanziellen und ökologischen Ressourcen. Heimische Materialien, die Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben und die Beschränkung der baulichen Eingriffe auf das notwendige Maß bildeten die Grundlage des Konzepts. So konnte ein bestehendes Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt und zugleich ein wichtiger Beitrag zum Erhalt regionaler Handwerkstradition geleistet werden. Noch heute – nach mehr als 20 Jahren – wird in der Juppenwerkstatt Riefensberg, die als Schaubetrieb mit einem eigenen Museum geführt wird, jede bauliche Entscheidung mit Gerhard Gruber vom Bregenzer Architekturbüro Gruber Lorcher abgesprochen.

Der Architekturspaziergang machte deutlich, dass qualitätsvolle Baukultur nicht allein von einzelnen Gebäuden lebt. Entscheidend sind ebenso der Mut zu langfristigen Entscheidungen, die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Architektur und Handwerk sowie ein Gespür für die Bedürfnisse der Bevölkerung. Riefensberg zeigt beispielhaft, wie durch kontinuierliches Engagement und verantwortungsvolle Planung ein lebendiger und unverwechselbarer Dorfraum entstehen kann.

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