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Franz Beer von Bleichten & Barock im Museum Bezau: Barock für Auge, Ohr und Gaumen

(mh)

Das Museum Bezau mit Obmann Christian Meusburger und Museumsleiterin Theresia Fröwis hat für das Jubiläumsjahr „300 Jahre Franz Beer von Bleichten“ (1660 – 1726) ein vielschichtiges und publikumsträchtiges Programm zusammengestellt. Dabei werden im Museum und darüber hinaus alle Sinne angesprochen, als nächstes steht nun „Barock gespeist“ auf dem Menüplan zahlreicher Gaststätten.

Kürzlich wurde in die Bezauer Pfarrkirche zu einer Festmesse mit barocker Chorliteratur, dargeboten von der Chorgemeinschaft St.Jodok, Oboistin Brigitte Rüf und Rudolf Berchtel an der großen Behmann-Orgel, geladen. Im Anschluss an den Hörgenuss gab es die wohl einmalige Gelegenheit, im Altarraum das „Zehender-Gemälde“ aus der Nähe zu betrachten. Den Bezauern lag dieses Kunstwerk nämlich so am Herzen, dass sie es beim Kirchenneubau 1907 in den Mittelpunkt rückten: Ein beeindruckendes und wertvolles Werk des Barockmalers Matthäus Zehender (1641 – 1697), eindrücklich und verständlich präsentiert wurde es durch den Bezauer Kunstschaffenden Martin Dietrich. Pfarrer Armin Fleisch war sichtlich gerührt ob des großen Interesses, als er die Geschichte der Pfarrkirche ausführte und schließlich als weiteren Höhepunkt die prächtige Monstranz präsentierte. Abschließend gabs noch eine aufschlussreiche Führung von Laura Greußing durch das Museum mit vielen Hintergründen zu Beer und seinen Barockbauten.

Nun steht „Barock gespeist“ an, wo bis in den Oktober hinein in zahlreichen Restaurants und Hotels der witus-Gemeinden die Kulinarik aus der Barockzeit auf die Teller kommt. Diese ist geprägt von Gegensätzen: In den Klöstern stand Völlerei neben strenger Abstinenz, in der höfischen Küche diente eine prunkvolle Tafelkultur der Selbstdarstellung und Machtdemonstration. Im Unterschied dazu war der bäuerliche Mittagstisch ein Abbild der täglichen Arbeit, im Wechsel von Wetter und Jahreszeiten. Esskultur war hier weder süß noch üppig. An rituellen Festtagen wurden Schmalzgebäck und Würste in guter Gemeinschaft geteilt. Einige Wirtshäuser starten jetzt den Versuch, das von der Kunst- und Kochhistorikerin Renate Breuß gesammelte Rezeptmaterial erlebbar zu machen. Informationen zu den beteiligten Gaststätten gibt’s unter www.museum-bezau.at sowie direkt im Museum Bezau, ebenso zu den kommenden Vorträgen im Juni rund um die Themen “Arbeitsmigration” und “Altbestand”.

Samstag, 13. Juni, 19 Uhr, Museum Bezau
Arbeitsmigration und Wissenstransfer – Franz Beer von Bleichten als Fallbeispiel
Migration gehörte im Bauhandwerk der frühen Neuzeit zum Alltag. Baumeister, Handwerker und Gesellen waren oft über große Entfernungen unterwegs. Sie arbeiteten auf wechselnden Baustellen und brachten Erfahrungen, Techniken und Ideen von einem Ort zum anderen. Auf diese Weise entstand ein dichtes Netz aus Zusammenarbeit, Austausch und Weitergabe von Wissen.
Ausgehend vom Bregenzerwälder Barockbaumeister Franz Beer von Bleichten (1660 – 1726) richtet die Veranstaltung den Blick auf diese mobilen Arbeitswelten des 17. und frühen 18. Jahrhunderts.
Wie funktionierte Migration im Bauhandwerk? Welche Rolle spielten familiäre Netzwerke, Bautrupps und persönliche Kontakte? Und wie entstand Wissen in einer Zeit, in der Lernen vor allem auf der Baustelle stattfand?
Meinrad Pichler, Elisabeth Wicke und Peter Fink gehen diesen Fragen im Museum Bezau aus unterschiedlichen Perspektiven nach und eröffnen gemeinsam einen Blick auf Migration, Baupraxis und Wissenstransfer in der frühen Neuzeit.
Samstag, 27. Juni, 19 Uhr, Werkraum Haus Andelsbuch
Altbestand als Aufgabe?
Wie gehen wir heute mit bestehender Bausubstanz um – und was können wir aus der Baupraxis früherer Generationen lernen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Werkraum Haus in Andelsbuch, veranstaltet vom Museum Bezau in Kooperation mit dem Werkraum Bregenzerwald.
Ausgangspunkt ist der Bregenzerwälder Barockbaumeister Franz Beer von Bleichten, der in der Literatur für seinen sensiblen Umgang mit bestehender Bausubstanz hervorgehoben wird. Neubauten verstand er nicht als radikalen Bruch, sondern als Weiterbauen am Vorhandenen.
Im Gespräch sind die Architekten Hermann Kaufmann und Markus Innauer sowie der Dendrochronologe Klaus Pfeifer. Gemeinsam diskutieren sie, welche Parallelen sich zwischen historischer Baupraxis und den heutigen Herausforderungen im Umgang mit Altbestand ziehen lassen.
Bilder (c): Hinterholzer

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