Bludenz (VLK) – Aufgrund der trockenen und heißen Witterung der vergangenen Tage sowie der Prognosen für anhaltend trockenes und heißes Wetter besteht derzeit in Vorarlberg erhöhte Waldbrandgefahr. Das Land Vorarlberg ruft die Bevölkerung daher zu besonderer Vorsicht und verantwortungsvollem Verhalten auf. „Die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden zählt zu den anspruchsvollsten Einsätzen unserer Feuerwehren. Mein Dank gilt allen Feuerwehrleuten, die sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe widmen. Mit den Waldbrandstützpunkten investieren wir gezielt in ihre Sicherheit und Schlagkraft. Gleichzeitig appelliere ich an die Bevölkerung: Durch umsichtiges Verhalten können wir gemeinsam dazu beitragen, dass Wald- und Vegetationsbrände gar nicht erst entstehen und unsere Einsatzkräfte gar nicht erst ausrücken müssen“, sagt Landesrat Christian Gantner.
Wie rasch sich ein Feuer ausbreiten kann und welche weitreichenden Folgen ein Waldbrand haben kann, zeigte sich im Gebiet Gasünd in Bings Ende Oktober 1989. Vermutlich ausgelöst durch Funkenflug einer defekten Lokomotive entlang der Arlbergstrecke entwickelte sich aufgrund der damaligen vorherrschenden Föhnlage innerhalb kurzer Zeit ein Großbrand auf einer Fläche von rund 20 Hektar. Zur Brandbekämpfung waren mehr als 800 Einsatzkräfte von 37 Feuerwehren, des Bundesheeres, der Bergrettung Bludenz sowie zwei ÖBB-Löschzüge im Einsatz.
Die Wiederherstellung der zerstörten Schutzwaldfläche erforderte über viele Jahre enorme Anstrengungen und Investitionen in Millionenhöhe. Neben der Aufarbeitung des Schadholzes und der Sicherung der Bahnstrecke umfassten die Maßnahmen umfangreiche Aufforstungen, die Erschließung des Geländes sowie technische Verbauungen zum Schutz vor Naturgefahren.
Heute, nahezu 40 Jahre nach dem verheerenden Ereignis, zeigt sich der Erfolg dieser langfristigen Bemühungen eindrucksvoll. Aus der einstigen Schadfläche ist wieder ein stabiler und vitaler Schutzwald herangewachsen. Die jungen Bestände haben sich zu einem wertvollen Waldökosystem entwickelt, das seine wichtige Schutzfunktion für Siedlungsraum, Verkehrswege und Infrastruktur erfüllt.
Bevölkerung kann wesentlich zur Waldbrandprävention beitragen
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) weist im Rahmen der österreichweiten Informationskampagne „Waldbrand – Wahrnehmen, Vermeiden, Bekämpfen“ darauf hin, dass ein Großteil der Waldbrände durch menschliches Verhalten verursacht wird. Vor diesem Hintergrund wird die Bevölkerung ersucht, folgende Verhaltensregeln zu beachten:
- Kein Feuer im Wald und in Waldnähe
- Kein Feuer in Schilf- und Uferzonen
- Keine brennenden oder glimmenden Gegenstände wie Zündhölzer, Zigaretten usw. wegwerfen
- Sorgsamer Umgang mit offenem Feuer beim Grillen sowie bei Lager- und Brauchtumsfeuern
Bei Rauchentwicklung oder Verdacht auf einen (Wald)Brand ist umgehend der Feuerwehr-Notruf 122 zu verständigen.
Investitionen in die Waldbrandvorsorge
Im Rahmen des Österreichischen Waldfonds wurden auch in Vorarlberg Mittel für die vorbeugende Waldbrandbekämpfung bereitgestellt. Insgesamt flossen mehr als 700.000 Euro in Maßnahmen zur Verbesserung der Waldbrandvorsorge. Damit wurde einerseits ein Monitoringsystem zur Einschätzung der Waldbrandgefahr installiert, andererseits wurden zwei Feuerwehr-Waldbrandstützpunkte mit entsprechender Spezialausrüstung für die Feuerleute eingerichtet.
Gemeinsam mit der Fachhochschule Vorarlberg wurde ein Monitoringsystem entwickelt, das sich derzeit im Pilotbetrieb befindet. An zehn Standorten in Vorarlberg werden laufend Messdaten zur Bodenfeuchte und Bodentemperatur in den Tiefen von 10, 30 und 50 Zentimetern gemessen. Zusätzlich werden Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst, die Niederschlagsdaten stammen von der nächstgelegenen Wetterstation des Landes.
Ziel des Projekts ist es, bestehende fachliche Einschätzungen und übergeordnete Waldbrandindizes durch lokal erhobene Messdaten zu ergänzen. Dadurch können kleinräumige Trockenheitsentwicklungen besser erfasst und die Grundlagen für fundiertere Einschätzungen des Waldbrandrisikos weiter verbessert werden. Die erhobenen Daten liefern objektive regionale Messwerte zur Bodenaustrocknung bei unterschiedlichen Wettersituationen und unterstützen damit die Beurteilung der aktuellen Waldbrandgefahr als auch die Baumartenauswahl auf vergleichbaren Standorten. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund 130.000 Euro, davon wurden zu 80 Prozent durch den Österreichischen Waldfonds finanziert.
Spezialisierte Waldbrandstützpunkte im Norden und Süden Vorarlbergs
Für die bodengebundene Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung stehen in Vorarlberg zwei Waldbrandstützpunkte zur Verfügung. Die Feuerwehren Bürs und Bings-Stallehr bilden gemeinsam den Waldbrandstützpunkt Süd, die Feuerwehr Bezau den Waldbrandstützpunkt Nord. Die Stützpunkte verfügen über speziell ausgebildete Einsatzkräfte sowie über besondere Ausrüstung für Einsätze bei Wald- und Vegetationsbränden.
Für die Beschaffung der Spezialausrüstung der beiden Waldbrandstützpunkte Nord und Süd sowie für die Ausbildung der Einsatzkräfte wurden je Stützpunkt rund 360.000 Euro aus Mitteln des Österreichischen Waldfonds, des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) und der beteiligten Gemeinden bereitgestellt. Der Österreichische Waldfonds trug dabei mit rund 83 Prozent den Hauptanteil der Kosten.
Bild (c): B. Hofmeister


