NEWS

Frauenmuseum Hittisau setzt sich für Abschaffung der Funkenhexe ein

(fmh)Funkensonntag. Der Dialog geht weiter. Und er ist nötig.

Hittisau, 16. Februar 2026 – Noch immer werden in Vorarlberg auf über 90 % der Funken symbolisch Frauenfiguren verbrannt, als sogenannte “Funkenhexen”. Diese Praxis hat keine jahrhundertealte Wurzel, sondern wurde erst im späten 19. Jahrhundert hinzugefügt – mit klar weiblich konnotierten Figuren, die explodieren oder am Galgen hängen. Das Frauenmuseum Hittisau setzt sich weiter für eine Abschaffung dieser Praxis ein.

2024 hat das Frauenmuseum Hittisau auf Initiative der Aktivistin und Kulturarbeiterin Brigitta Soraperra, gemeinsam mit über 300 Mitunterzeichner:innen, bei der Österreichischen UNESCO-Kommission eine Überprüfung des Kulturerbe-Status des Funkensonntags beantragt. Die Forderung: Solange diese frauenverachtende Symbolik Teil des Brauchs ist, braucht es Veränderung. Die Reaktion der UNESCO: Kein sofortiger Entzug des Kulturerbestatus – aber ein breit angelegter Dialogprozess, der seither schrittweise umgesetzt wird.

“Der Funkenbrauch darf nicht zum Symbol für eine Traditionspflege werden, die gesellschaftliche Entwicklungen ignoriert. Wenn die Sensibilität in der Bevölkerung sich verändert, braucht es Wandel und klare Signale, dass Diskriminierung kein folkloristisches Detail ist.” — Brigitta Soraperra, Initiatorin des UNESCO-Antrags

Erste Impulse – und der lange Atem

Im September 2025 fand eine öffentliche Dialogveranstaltung mit Vertreter:innen der Funkenzünfte und kritischen Stimmen aus der Vorarlberger Zivilgesellschaft im Rathaus Dornbirn statt. Die UNESCO fasste das Ergebnis so zusammen:

Einige Zünfte zeigten Offenheit für Veränderungen.

Die Hexenverbrennung wurde nicht mehr von allen als „unverzichtbar“ betrachtet.

Eine Aberkennung des Status wurde vorerst nicht empfohlen, um den begonnenen Dialog nicht zu behindern.

2026 folgt eine erneute Prüfung, abhängig von den nächsten Schritten.

“Wir teilen die Kritik an der Praxis des Verbrennens von Menschendarstellungen und insbesondere von Frauenfiguren und sehen die Symbolwirkung einer solchen kulturellen Praxis als überaus problematisch an. […] Vor dem Hintergrund, dass an der Verbrennung von Menschenfiguren und in erster Linie von Frauen – wider dem wissenschaftlichen Forschungsstand und humanistischen Grundsätzen – festgehalten wird, empfiehlt der Fachbeirat einen bereits angelaufenen, strukturierten Prozess des Dialogs weiterzuführen, in dessen Rahmen noch einmal alle Beteiligten zur intensiven Beschäftigung mit dem umstrittenen Element aufgerufen werden.”

Warum wir dranbleiben

Der Funken ist ein starkes Symbol. Aber seine Kraft sollte nicht aus der Gewalt kommen, die er inszeniert – sondern aus dem Gemeinschaftsgefühl, das er stiftet.

“Die Diskussion um die Funkenhexe ist kein Kulturkrieg, sondern eine Chance zur Weiterentwicklung. Wenn wir Brauchtum ernst nehmen, nehmen wir auch seine Wirkung ernst – auf alle, die daran teilhaben. Ein lebendiger Brauch darf sich verändern. Und er muss sich verändern, wenn er Menschen ausschließt oder verletzt.” — Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseum Hittisau

Die Kritik an der sogenannten Funkenhexe ist keine neue, sondern wird seit über 25 Jahren laut. Weshalb?

Die Hexenfigur wurde erst im 19. Jahrhundert eingeführt – nicht als “uralte Tradition”, sondern als publikumswirksames Spektakel mit Knalleffekt.

Sie ist eindeutig weiblich konnotiert: oft mit Brüsten, Namen, Kleidern oder politischen Zuschreibungen versehen.

Sie erinnert an reale Gewalt gegen Frauen – historisch und aktuell. Auch wenn kein direkter Bezug zur frühneuzeitlichen Hexenverfolgung besteht, wirken die Bilder unterbewusst weiter. Und in einer Zeit, in der Femizide und Gewalt an Frauen in Österreich und weltweit zunehmen, ist die symbolische Verbrennung weiblich konnotierter Figuren hochproblematisch.

Es gibt Alternativen. In einigen Regionen wurden bereits neutrale Symbole oder positive Narrative eingeführt, die den Funken ins 21. Jahrhundert holen – ohne seine gemeinschaftsstiftende Funktion zu verlieren.

Das Frauenmuseum Hittisau wird gemeinsam mit den Erstunterzeichner:innen den Prozess auch weiterhin aufmerksam begleiten – mit der nötigen Ernsthaftigkeit, aber auch mit Zuversicht auf echte Veränderung.

Kommentare

  • Jo, denn tond halt an Hexar ue, eor heand Sorga. Alle Traditiona killo. Als ob hüt no jemand denkt das ist a lebendigs Weso. Leobod witor im Altartum wenn eor monond! Vorbrennod snäsch Johr Gargamel vo dr´Schlümpfo und aru isch.

  • Märchen Hänsel & Gretel gehört auch abgeschafft. Das gehört zum UNESCO Antrag angehängt. Und ein Frosch der dann zum Prinzen wird geht schon gar nicht. Außerdem gehört Rapunzel nicht an den Haaren gezogen. Fortsetzung folgt.

  • Wenn man sich betroffen fühlt sollen andere das ändern!
    Das ist ein alter Brauch und muss erhalten bleiben!
    Zu dem wenn ihr keine anderen Probleme habt dann seit doch froh

Kommentar hinzufügen