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Bildbericht Handwerk+Form 2026

Handwerk+Form 2026
Festival. Wettbewerb. Plattform.
3. bis 11. Oktober

Titelbild (c): Tiell Riehle

Handwerk+Form zählt zu den prägenden Formaten für zeitgenössisches Handwerk im Bregenzerwald. Wettbewerb, Festival und Austausch greifen hier nahtlos ineinander – und bringen die regionale Praxis direkt in einen internationalen Kontext. Vor 35 Jahren nahm diese Idee ihren Anfang, dieses Jahr feierte Handwerk+Form ein besonderes Jubiläum: die 10. Auflage. Und die war größer denn je! Erstmals lud der Werkraum Bregenzerwald zu einem 9-tägigen Festival mit einem umfassenden Rahmenprogramm ein. Vom 3. bis 11. Oktober wurde ganz Andelsbuch dafür zum lebendigen Ausstellungsort.

NEU: Erstmals gab es in diesem Jahr die Kategorie U21, die jungen Handwerker:innen die Chance bot, Arbeiten im professionellen Wettbewerbsumfeld zu zeigen.

Ausstellungsrundgang in Andelsbuch
Täglich: 10:00–18:00 Uhr

Beim Ausstellungsrundgang durch den Ort, wurden sämtliche Einreichungen und prämierten Arbeiten des Gestaltungswettbewerbs Handwerk+Form 2026 gezeigt. Das Besondere daran: Der Rundgang führte durch acht wiederbelebte Ausstellungsorte, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind – darunter eine alte Metzgerei, eine ehemalige Bäckerei und ein leerstehendes Gasthaus.

Entdecker:innen-Rundgang für Kinder
Der Rundgang durch Andelsbuch wurde zum Erlebnis für die ganze Familie! Die Ausstellung war kindgerecht aufbereitet, sodass die Kleinsten die prämierten Stücke der Handwerk+Form spielerisch und mit allen Sinnen entdecken konnten.

Kinderbaustelle beim Werkraum Haus
Hier wurden die Kinder selbst zu Handwerker:innen! Im großen Sandkasten und mit großen Holzbauklötzen konnten sie nach Lust und Laune bauen, gestalten und ihren eigenen Ideen Form geben.

Statement der Jury zu den diesjährigen Auszeichnungen
Was bedeutet es heute, zukunftsfähig zu gestalten? Die Arbeiten, die wir als Jury ausgewählt haben, geben darauf keine einheitliche Antwort. Gerade die große Vielfalt macht sichtbar, dass Handwerk und Gestaltung nicht als ein einzelner Ausdruck, eine bestimmte Technologie oder ein festes Nachhaltigkeitsrezept verstanden werden können. Es liegt vielmehr in einer Neubewertung dessen, was bereits vorhanden ist: Materialien, Ressourcen, Wissen, handwerkliche Fertigkeiten, lokale Kulturen und soziale Räume.

In unseren Diskussionen ging es deshalb immer wieder um Werte. Um den Wert eines Materials, bevor es zum Produkt wird. Um die Wertschätzung von vermeintlichen Resten und Nebenprodukten. Um Präzision und handwerkliche Qualität, aber ebenso um das Zulassen
von Unvollkommenheit, Natürlichkeit und Veränderung. Und um die Frage, wann technischer
Aufwand tatsächlich einen Mehrwert erzeugt – und wann Einfachheit die radikalere Form von
Innovation sein kann.

Die Auswahl ist deshalb auch ein Plädoyer für eine Gestaltung, die sich aus ihrem jeweiligen
Kontext heraus entwickelt. Ein Entwurf muss nicht überall dasselbe leisten. Er kann lokal, sozial, materiell oder ökologisch relevant werden – entscheidend ist, dass er seine Mittel bewusst wählt und konsequent umsetzt. Die Projekte zeigen unterschiedliche Ansätze, wie vorhandene Ressourcen neu gelesen und in zeitgenössische Formen, Konstruktionen und Nutzungen übersetzt werden können.

Auch die Juryarbeit selbst war von diesem Prozess geprägt. Die Positionen haben sich im Dialog verschoben, wurden präzisiert und bewusst infrage gestellt.

Unsere Auszeichnungen möchten daher nicht nur einzelne Ergebnisse würdigen, sondern Haltungen sichtbar machen. Sie spiegeln das große Potenzial von Handwerkskultur als Motor/Mittel für Veränderung wider; in der Materialien nicht nur als Rohstoffe, sondern als
Träger von Wissen, Geschichte und Möglichkeiten verstanden werden; in der Handwerk und
Experiment sich gegenseitig erweitern; und in der Gestaltung nicht nur Perfektion, sondern
Relevanz, Anpassungsfähigkeit und Verantwortung im Zentrum stehen.

Mit diesen Auszeichnungen wollen wir ermutigen: zu weiteren Versuche, neuen Allianzen und einer Bau- und Gestaltungskultur, die bereit ist, ihre eigenen Werte immer wieder neu zu verhandeln.

Die Jury: Chrissie Muhr (Architektin, Forscherin, Kuratorin), Sascha Bauer (Architekt), Blanka Major (Architektin), Silvio Rebholz (Designer), Adelina Dodolli (Geschäftsführerin
Holzmanufaktur Rottweil)

Bei der Preisverleihung am 02. Oktober 2026 wurden von der international besetzten
Jury 5 Preise und 8 Auszeichnungen vergeben:

Preise

Spael
Material: Holz, Schafwolle
Einreichung: Mohr Polster, Andelsbuch
Kooperation: Tischlerei Mohr
Entwurf: Madeleine K. Wieser Design

Kurzbeschreibung:
Der Hocker untersucht, wie sich Polstermöbel ohne Polyurethanschaum gestalten lassen. Seine umgekehrte Konstruktionslogik macht die tragende Struktur sichtbar, während das gepolsterte Wollvolumen durch Kompression gehalten wird. Der Bezug ist aus 100% Wolle 3D-gestrickt. Das Holz wurde mit Leinöl und Pigmenten gefärbt.

Jurykommentar:
Die Jury prämiert neben den technischen und handwerklichen Feinheiten auch die Anmutung, die pfiffige Idee und das Aussehen als wesentlichen Eindruck. Die Idee, die puffernde Wirkung der Schafwolle in der Konstruktion einzusetzen, stellt bisherige Erfahrungen mit bequemen Sitzmöbeln auf den Kopf. Und macht neugierig und lässt rätseln: ist das jetzt Kunst? Joseph Beuys hätte sicher eine große Freude mit diesem Möbel, das ein bisschen an seine Kunst erinnert: hin zu Einfachheit, Klarheit und besondere Aussage durch die Materialien Holz und Wolle. Die Eigenheiten der Materialien werden auf eine geniale Art gezeigt und genutzt.

Schindel-Bruch
Material: Frischkäse, Fichtenholz, Naturstein, Gummibänder
Einreichung: Tischlerei Bereuter, Lingenau
Entwurf: Jodok Dietrich, Martin Bereuter

Kurzbeschreibung:
Käseform und Rezept für den häuslichen Gebrauch bilden hier eine Einheit. Drei Holzschindeln werden mit einem Gummiband zu einer dreieckigen Form verbunden und oben und unten mit Press- und Abschlussstein geschlossen. Die Form prägt die Oberfläche des Käses und begleitet seine Reifung.

Jurykommentar:
Besonders interessant war für die Jury, wie „Schindel-Bruch“ zwei Formen von Wissen zusammenbringt: das Handwerk der Schindelherstellung und das Wissen um die Verarbeitung von Milch zu Käse. Beides wird nicht museal bewahrt oder einfach abgebildet, sondern durch das Benutzen weitergegeben. Käseherstellung wird von einem spezialisierten Handwerk zu etwas, das man selbst erfahren, teilen und gemeinsam weiterentwickeln kann. Dabei wird die Milch als Ganzes betrachtet. Der Prozess endet nicht beim Käse: Auch die Molke wird Teil des Projekts. Es gibt keine minderwertigen Reste, sondern unterschiedliche Produkte eines gemeinsamen Prozesses.

Le+Ho
Material: Holz, Aushubmaterial
Einreichung: Ambros Berlinger, Alberschwende
Kooperation: DADO Lehmarbeiten

Kurzbeschreibung:
Das Projekt untersucht, wie anfallendes Aushubmaterial im Holzbau direkt als Baustoff weitergenutzt werden kann. Bei diesem konstruktiven Prototypen wurde Stampflehm und
Holz ohne zusätzliche Bindemittel, allein durch die natürliche Schwindung des Lehms, verbunden.

Jurykommentar:
Das 1:1 Lehm-Holz-Wandelement überzeugt in der Verbindung von regionalem Handwerk,
lokalem Materialwissen und zeitgemäßer Vorfertigung. Lehm aus regionalem Aushub wird
mit Holz zu einem vorgefertigten Bauelement verbunden. So werden vorhandene Ressourcen und lokale Techniken mit einer effizienten, potenziell skalierbaren Form der Herstellung verbunden. Dabei bleibt die Materialität unmittelbar erfahrbar: Der Lehm prägt Oberfläche, Haptik und Atmosphäre und bringt zugleich klimatische und energetische Qualitäten in das Bauteil. Seine thermische Masse trägt zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Die Jury würdigt den Mut des Teams, Handwerk, Material, Ökologie und neue Formen der Vorfertigung zusammenzudenken.

AH 8
Material: Ahorn, Leder
Einreichung: Max Pöschel, Schnepfau
Kooperation: Tischlerei Mohr

Kurzbeschreibung:
Der Vollholz-Schrank lässt sich in seine Einzelteile zerlegen, als Flatpack verschicken und mit vier Händen auf- und abbauen. Durch Biegen und Spannen geringer Materialstärken entstand die Konstruktion, die mit Holz und zwei Lederstreifen auskommt. Die sägeraue Oberfläche bleibt unbehandelt.

Jurykommentar:
Die Materialverwendung ist konsequent reduziert, die Fertigung präzise, Fremdmaterialien
wie Magnete treten nur dort auf, wo sie Materialbewegungen aufnehmen. Kein Teil ist zu viel. Besonders hervorzuheben ist das Spannungsfeld zwischen der hochpräzisen Möbelfertigung im Bregenzerwald und den traditionellen archaischen Techniken: Dieses Liebhaberobjekt wird nicht in die hochpräzise regionale Ästhetik hineingezwängt. Genau darin liegt die Frische dieser Einreichung, ohne verspielt zu sein: Sie zeigt, wie sich handwerkliche Fähigkeiten in der Region weiterentwickeln können und eröffnet einen Verhandlungsraum im Umgang mit Materialien und Ressourcen.

Regalsystem mit Schwartenbrettern
Material: Spitzahorn
Einreichung: Pius Kaufmann, Bezau
Kooperation: Wolfgang Lässer
Entwurf: Patrick Perren, Fabian Tobias Reiner

Kurzbeschreibung:
Das Regal nutzt einen ganzen Bergahorn-Stamm, einschließlich Ästen und Schwarten. Die
natürlich gewachsenen Schwarten werden als tragende Elemente eingesetzt und digital
erfasst, bevor sie robotergestützt ineinander gefräst werden. Ein metallfreies Stecksystem
mit Keilen hält das Regal ohne Schrauben oder Beschläge.

Jurykommentar:
Ein gelungenes Handwerksobjekt zeichnet sich meist durch bis an die Perfektion grenzende, materialgerechte Verarbeitung aus, die ein Produkt entstehen lässt, das viele Jahre seinen Anforderungen gerecht wird. Im besten Fall aber, erzählt das Objekt darüber hinaus eine Geschichte über den Handwerker und deren persönlichen Umgang mit dem Rohstoff. Der starke Charakter des Rindenholzes wird gekonnt dosiert und nur so eingebaut, dass er die Funktion nicht einschränkt, und gleichzeitig einen visuellen Akzent setzt. Nur ein Blick auf das Regal genügt, um die besondere Haltung im Umgang mit den lokalen Ressourcen zu erkennen: ein einziger Baum wird zu einem Regal, das die Spuren seines Ursprungs betont und gleichzeitig durch seine Klarheit und Präzision besticht.

Auszeichnungen
Dreierlei
Material: Holz
Einreichung: Tischlerei Rüscher, Schnepfau
Entwurf: Leonie Barner

Kurzbeschreibung:
Die Aufbewahrungsdosen sind in ihrer Form auf verschiedene Käsesorten abgestimmt. Selbst hergestellte Dreischichtböden reduzieren den Verzug bei wechselnder Luftfeuchtigkeit und ermöglichen das Stapeln mehrerer Dosen. Eine Oberflächenbeschichtung aus Walnussöl und Bienenwachs schützt das Material vor Fett und Wasser.

Jurykommentar:
Käse und Holz – was passt besser für den Bregenzerwald. Die drei Käseboxen sind wahre Handschmeichler. Die Jury prämiert neben den technischen und handwerklichen Feinheiten auch die Anmutung, die pfiffige Idee und die überzeugende Gestaltung, die den Gesamteindruck maßgeblich prägen. Besonders begeistert die samtige Oberfläche und das warme Gefühl, das diese Hölzer sinnlich vermitteln. Die Formgebung ist selbstredend und weist durch die Ausführung bereits auf die Käsesorte hin. Auch die handwerkliche Verarbeitung überzeugt durch höchste Präzision und Sorgfalt. Die Boxen riechen angenehm nach Bienenwachs und Walnußöl und machen sehr neugierig darauf, was da für ein Käse präsentiert wird.

Plastik
Material: Fichtenharz, Brennnessel
Einreichung: Pius Kaufmann, Bezau
Kooperation: Wolfgang Lässer
Entwurf: Pius Kaufmann, Martin Lingg, Elias Bruno Meusburger

Kurzbeschreibung:
Dieser Lampenschirm besteht aus einem Verbundmaterial aus Fichtenharz und Brennnesselfasern. Das Material lässt sich frei formen und ist vollständig kompostierbar. Im Licht wird es transparent, sodass die Fasern im Harz sichtbar bleiben. Die Zusammensetzung des Werkstoffs selbst wird zum Gestaltungselement.

Jurykommentar:
Das Material versucht gar nicht erst, den industriellen Kunststoff perfekt zu imitieren. Es entwickelt eine eigene Sprache. Die Jury zeichnet hier bewusst kein fertiges Produkt aus. Das Projekt ist ein Experiment – vielleicht sogar erst der Anfang eines solchen. Und genau diesen Anfang findet die Jury wichtig. Denn darin steckt eine Haltung zum Handwerk, die uns interessiert: nicht nur mit den Materialien zu arbeiten, die man bereits kennt, sondern zu fragen, welche Materialien aus dem Vorhandenen überhaupt noch entstehen könnten. Hier wird ihnen kein abstraktes Zukunftsmaterial entgegengesetzt, sondern Harz, Fasern und Wissen aus der unmittelbaren Umgebung.

Shell 01
Material: Lincrusta (Baumwolltuch mit gefärbter Leinölfirnis)
Einreichung: Mohr Polster, Alberschwende
Kooperation: Door no. 2, Ariane Schedler
Entwurf: Ariane Schedler

Kurzbeschreibung:
Dieses Materialexperiment untersucht, wie sich eine Regenjacke aus Baumwolle und
eingefärbter Leinölfirnis herstellen lässt. Ein getränktes Baumwolltuch wird über Wochen
getrocknet und dadurch wasserabweisend. Der klare Schnitt entstand aus den
Eigenschaften des Materials und funktionalen Anforderungen heraus.

Jurykommentar:
Was passiert mit einem Handwerk, wenn die Dinge, für die es einmal gebraucht wurde, langsam verschwinden? Vielleicht liegt sein Fortbestehen nicht unbedingt darin, dieselben Gegenstände immer weiter zu produzieren, sondern darin, sein Wissen auf neue Anforderungen zu übertragen. Hier wird aus einer alten Sattlertechnik eine Regenjacke. Das geölte Baumwollgewebe hat Gewicht und Steifigkeit, es fällt anders als ein industrieller Funktionsstoff. Und seine Materialität ist nicht abgeschlossen. Die Jacke wird getragen, Wind und Regen ausgesetzt, und bekommt Spuren und Patina. Natürlich gibt es geölte Jacken auch anderswo. Bemerkenswert fand die Jury gerade den Kontext: dass hier aus einem vorhandenen lokalen Handwerkswissen heraus ein zeitgenössisches Kleidungsstück entwickelt wird.

Buschel-Stock
Material: Fichte (Stämme und Äste), Handwebeleinen
Einreichung: Mohr Polster, Alberschwende
Entwurf: Klemens Grund

Kurzbeschreibung:
Die Form dieses Möbels ist vom Buschel-Stock inspiriert, einer im Bregenzerwald
traditionellen Holzvorrichtung zum Bündeln von Ästen und Holzscheiten. Handgewebte
Leinenstoffe, die früher für Getreidesäcke dienten, wurden mit einer einfachen Technik über
das Gestell gespannt.

Jurykommentar:
Eine urvertraute Technologie wird neu gesehen: Die Buschel-Stock Liege verbindet Selbstbau, lokales Wissen und eine bewusst einfache Gestaltungshaltung. Die lokale Technik wird nicht historisiert, sondern als gestalterisches Prinzip weitergedacht. Aus Holz, das als Rest- oder Brennholz gelesen werden kann, entsteht durch handwerkliche Bearbeitung und präzise Fügung ein neues Objekt. Die Haltung des Gestalters ist dabei radikal unverkrampft: etwas zu schaffen, das aussehen könnte, als wäre es an einem Nachmittag aus ein paar Ästen und kleinen Stämmen entstanden. Gerade darin liegt die Qualität – eine pragmatische Schönheit, die weder auf Perfektion noch auf technische Komplexität angewiesen ist.

KLAPPBAR
Material: Esche, Fichte, Desktop Linoleum, Lederfaserstoff, Edelstahl
Einreichung: Armin Friedrichs, Andelsbuch
Kooperation: Tischlerei Mohr
Entwurf: Armin Friedrichs, Stefan Hachenberger

Kurzbeschreibung:
Der Klappstuhl setzt auf einen reduzierten Materialeinsatz und nutzt die Elastizität von Holz
und Materialresten. Die Sitzfläche und der Rahmen geben unter Belastung kontrolliert nach.
Ein Klappmechanismus erleichtert den Transport und die Lagerung. Einzelne Bauteile
können bei Bedarf ausgetauscht werden.

Jurykommentar:
Der Klappstuhl überzeugt durch eine außergewöhnliche handwerkliche Präzision, die aus einem tiefen Materialverständnis erwächst. Die Verwendung lokalen Holzes wird konsequent bis an die Grenze des Machbaren geführt: stehende Jahresringe und eine am Kraftverlauf orientierte Ausrichtung ermöglichen erst jene Filigranität, die das Objekt auszeichnet. Weiche Fichte an ergonomischen und langfaserige Esche an konstruktiv beanspruchten Stellen. Gestalterisch besticht die Klarheit der Reduktion. Gratleisten und Holzüberblattungen sowie die sichtbar gedübelte Sitzfläche machen die Fertigung lesbar und zugleich reparierbar, einzelne Elemente bleiben austauschbar. Die Jury prämiert hier den Mut zwischen handwerklicher Detailqualität und ökonomischer Reproduzierbarkeit.

Micky
Material: Sperrholz
Einreichung: Schmidinger Möbelbau, Schwarzenberg
Entwurf: Christian Steiner

Kurzbeschreibung:
Der Sperrholzstuhl ist an den stark beanspruchten Stellen mit Zwickeln verstärkt, ohne die Bauteile insgesamt zu vergrößern. Die nach vorne geöffneten Beine ermöglichen es, den Stuhl für die Reinigung einfach auf den Tisch zu heben. Die Form unterstützt aufrechtes Sitzen.

Jurykommentar:
Micky legt seine Funktion ohne jegliche Erläuterung offen: ein Stuhl für eine Schule. Seine Erscheinung voller positiver Ausstrahlung, etwas quirky, aber selbstbewusst und neugierig, macht ihn zu einem passenden Begleiter im Schulalltag. Auch beim genaueren Hinschauen erfüllt er diese Anforderungen: Durch seine offene Sitzschale und die Beweglichkeit der Rückenlehne ermöglicht er Bewegung zwischen mehreren Sitzpositionen; seine leichte Bauweise erlaubt es, sich mit ihm im Klassenraum zu bewegen, und durch seine nach vorne geöffneten Füße lässt er sich einfach auf den Tisch stellen. Als reiner Holzstuhl, eine Ausnahme unter Schulstühlen, vermittelt er Kindern ein warmes, natürliches Gefühl. Die Sperrholzformteile machen ihn zudem seriell herstellbar.

Urne
Material: Linde, Papier
Einreichung: Tischlerei Wolfgang Lässer, Riefensberg
Entwurf: Edgar Höscheler

Kurzbeschreibung:
Das zarte Kokon im Inneren bewahrt die Asche, hüllt sie in einen hellen Schlafsack aus feinem Wangzangpapier. Die schützende Urne aus unbehandeltem Lindenholz lässt Platz für kleinere Grabbeigaben – gebastelte, gemalte, persönliche Erinnerungen. Das Rindsleder verschließt das Gefäß (Der Deckel wird in die Nut geleimt). Mit einer dunklen Hanfschnur, tintengefärbt, wird die Urne sicher in die Erde gelassen.

Jurykommentar:
Dieses Objekt besticht durch seine gefühlvolle handwerkliche Ausarbeitung und den bis ins Detail durchdachten Aufbau. Eindrücklich passt der Kokon perfekt in den Innenraum der Schale und gleitet somit sachte beim Einsetzen in den Korpus. Die Kombination der verschiedenen, gut zueinander passenden Naturmaterialien, deren Zusammenspiel in der Benutzung und die äußerst präzise Ausarbeitung haben die Jury bewogen, die Urne auszuzeichnen. Gerade weil sie einen so persönlichen letzten Moment begleitet, zeigt sich hier, wie viel Bedeutung sorgfältiges Handwerk gerade in den stillen Momenten des Lebens vermitteln kann.

Wiederkehr
Material: Beton, Messing
Einreichung: Jodok Felder – Kompetenz in Metall, Alberschwende
Kooperation: Moosbrugger Bau GmbH, Der Baufuchs
Entwurf: Designreserve

Kurzbeschreibung:
Der Dorfbrunnen wurde aus einem Guss gefertigt. Die eigens gebaute Holzschalung prägt mit ihrer Maserung die Oberfläche und gliedert den Brunnenkörper in Segmente. Zwei brünierte Messingspangen fassen den Ring und erinnern an traditionelle Handwerksgefäße.

Jurykommentar:
Die Einreichung übersetzt die Bretterstruktur eines Waschzubers in eine mit Metallbändern gefasste Sichtbetonoberfläche und verweist auf regionale Erntekultur. Handwerklich verbindet sie Betonbau und Schlosserei, wobei Bewehrung als unsichtbares Relikt im Material verschwindet. Der Titel Wiederkehr trifft den Kern der Arbeit: Er benennt Dauerhaftigkeit und Wiederholung, aus der öffentlicher Raum seine soziale Qualität gewinnt. Ausgezeichnet werden nicht Ausführung und Materialverwendung, sondern die einzigartige Geste und soziale Wirkung, die das Spannungsfeld zwischen Handwerk, Gemeinschaft und Ort exemplarisch verhandelt.

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