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ARGE Wohnungslosenhilfe warnt vor den Folgen des Sparens bei den Ärmsten – Besorgniserregender Bericht zur Wohnungslosigkeit in Vorarlberg

Die sechs Einrichtungen der ARGE Wohnunglosenhilfe Dowas, Kolpinghaus Bregenz, Kaplan Bonetti, Kolpinghaus Götzis, ifs Wohnen und die Caritas Beratungsstelle Existenz & Wohnen führen jedes Jahr im Oktober gemeinsam mit weiteren Sozialeinrichtungen eine Datenerhebung zu Wohnunglosigkeit durch. Erfasst werden alle Personen, die im Monat Oktober ein Angebot der Wohnungslosenhilfe oder einer Partnereinrichtung, die eine Form der Notunterbringung anbietet, nutzen. Die Angebote reichen von Beratung und Betreuung zu den Themen Existenz und Wohnen über Not- und Krisenunterkünfte bis hin zu stationären Einrichtungen.

Die Ergebnisse aus dem Jahr 2025 wurden am 20.03. im Rahmen einer Pressekonferenz im Kolpinghaus Götzis präsentiert.

Sehr hoher Bedarf an Unterstützung
Ferdinand Koller (dowas) erläutert die Ergebnisse der Erhebung: „Wir sehen deutlich, dass der Unterstützungsbedarf weiterhin sehr hoch ist. Zwar haben wir im Vergleich zum Vorjahr in den ambulanten Einrichtungen weniger Haushalte erreicht, die Gesamtanzahl der betroffenen Personen ist mit 2961 aber so hoch wie noch nie. Die Zahl der Haushalte mit Kindern ist 2023 sprunghaft angestiegen und befindet sich weitherhin auf sehr hohem Niveau, insgesamt wurden im Erhebungszeitraum 888 Kinder erfasst.“ 888 Kinder wohnten somit in einem Haushalt ohne eigene Wohnung oder in einer Situation, in der die Wohnungslosigkeit droht. Ferdinand Koller führt dazu aus: „Das ist absolut besorgniserregend. Von jenen, die eine Wohnung haben, lebt jeder vierte Haushalt in einem rechtlich bedrohten Mietverhältnis aufgrung von Mietrückständen oder dem unmittelbar bevorstehenden Ende des Mietvertrages. Gegenüber dem Vorjahr ist sowohl die Anzahl (570 Personen, davon 159 Minderjährige) als auch der Anteil der Haushalte in rechtlich bedrohten Mietverhältnissen gestiegen.“

Sparen bei den Ärmsten zeigt Wirkung
Die finanzielle Situation der Haushalte bleibt prekär. Das wird deutlich erkennbar, wenn man betrachtet, welche Anteile des Haushaltsbudgets zur Begleichung der Wohnkosten aufgewendet werden müssen. Wie Christian Beiser (Caritas) erklärt, geben mehr als ein Drittel (34 %) der Nutzer:innen der ambulanten Angebote mehr als 40 % ihres Einkommens für das Wohnen aus, gelten somit nach statistischer Definition als übermäßig durch die Wohnkosten belastet. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass neben den Wohnkosten auch die Preise für Lebensmittel und basale Dienstleistungen stark angestiegen sind, gewinnt man eine Vorstellung davon, dass bei diesen Menschen buchstäblich jeder Euro zählt.
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Beiser führt die angespannte Situation auf die Teuerung und die Einsparungen im Bereich der Transferleistungen zurück: „Die Politik des Sparens bei den Ärmsten zeigt bereits Wirkung, die Armutslagen der Haushalte verschärfen sich. Alles wird teurer, gleichzeitig bekommen viele Haushalte weniger an Transferleistungen als noch vor ein paar Jahren. Schon jetzt zeigen sich die Folgen klar, die Situation wird sich aber noch weiter verschärfen. Wir warnen eindringlich davor, bei diesen Personen und Familien weiter zu sparen. Insbesondere muss die Sozialhilfe die höheren Wohnkosten berücksichtigen, hier wurde seit 2022 nicht erhöht. Geschieht dies nicht, oder wird die Sozialhilfe gar noch weiter gekürzt, drohen eine Zunahme wohnungsloser Personen und damit verbunden hohe Folgekosten für die Gesellschaft.

Leistbarer Wohnraum dringend benötigt
„In der Erhebung wurden 256 Personen in stationären und 140 Personen in teilstationären Einrichtungen erfasst“, berichtet Michael Hämmerle (Kaplan Bonetti). Knapp 400 Personen haben somit im Oktober 2025 zumindest eine Nacht in einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe verbracht. Erstmals wurde ergänzend zur Anzahl der unterstützten Personen auch die Auslastung der Einrichtungen erhoben. „Wir sehen deutlich, dass die Einrichtungen sehr voll sind, wir haben Auslastungszahlen von 90 bis 100 % in den stationären und einigen teilstationären Einrichtungen. In beiden Notschlafstellen für Erwachsene ist es an mehr als drei Viertel der Tage im Erhebungszeitraum zu Abweisungen gekommen“, führt Hämmerle weiter aus. „Der Weg in eine eigene Wohnung ist bei vielen viel zu lange, weil es zu wenig leistbaren Wohnraum gibt. Vorarlberg ist nach wie vor Schlusslicht beim Anteil an gemeinnützigen Wohnungen. Wir brauchen in Vorarlberg ganz dringend mehr gemeinnützige Wohnungen. Das von der aktuellen Landesregierung angestrebte Bauvolumen reicht nicht aus. Es kann nicht das Ziel des Landes sein, hier ewiges Schlusslicht zu sein.“

ARGE_Wohnungslosenhilfe_Bericht 2025 – Daten

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