(mk)Nach Lindau, Füssen und Kaufbeuren sowie den drei oberbayerischen Traditionsstandorten Riessersee, Bad Tölz und Peiting führt uns der dritte Teil unserer Serie weiter nach Osten. Mit dem Deggendorfer SC, den Passau Black Hawks und den Erding Gladiators warten drei Vereine, deren jüngste Geschichten kaum unterschiedlicher sein könnten: Deggendorf stand vor wenigen Monaten im Finale um die Oberliga-Meisterschaft, Passau musste im Frühjahr sogar um die Fortsetzung des Spielbetriebs kämpfen und Erding geht nach seinem Aufstieg bereits in die zweite Oberliga-Saison.
Deggendorfer SC – einer der großen Titelkandidaten
Wer nach einem sportlichen Gradmesser für die erste Oberliga-Saison der Tigers sucht, wird in Deggendorf ziemlich schnell fündig. Der Deggendorfer SC gehört seit Jahren zur Spitze der Oberliga Süd – und die Saison 2025/26 war die bislang stärkste dieser jüngeren Ära. Der DSC gewann die Hauptrundenmeisterschaft der Oberliga Süd, marschierte anschließend durch die Playoffs und erreichte das Finale um die deutsche Oberliga-Meisterschaft. Erst dort war gegen die Memmingen Indians Schluss. In Spiel sechs unterlag Deggendorf vor 3.700 Zuschauern in Memmingen mit 5:6 nach Verlängerung und wurde damit deutscher Oberliga-Vizemeister 2026.
Von der Oberliga bis in die DEL2
Eishockey wird in Deggendorf seit den 1950er-Jahren gespielt. Die heutige Vereinsgeschichte führt über mehrere organisatorische Phasen; der Deggendorfer SC in seiner heutigen Form besteht seit 2002. Sportlich kann der Standort einiges vorweisen. Bereits 1979 gewann Deggendorf die deutsche Oberliga-Meisterschaft. 1990 folgte die deutsche Regionalliga-Meisterschaft. Auch im Nachwuchs gab es einen nationalen Titel: 2002 wurde Deggendorf Deutscher Juniorenmeister.
Einer der größten Erfolge der jüngeren Geschichte folgte 2018. Deggendorf gewann die Oberliga Süd und schaffte anschließend den Aufstieg in die DEL2. Die Zweitliga-Saison 2018/19 blieb allerdings ein einjähriges Abenteuer: Nach Rang 14 ging es zurück in die Oberliga. Seither ist der DSC praktisch permanent vorne dabei. 2022/23, 2023/24 und 2024/25 beendete Deggendorf die Hauptrunde jeweils auf Rang drei, ehe 2025/26 der Sprung ganz an die Spitze gelang.
Einer der größten Zuschauermagnete
Auch auf den Tribünen gehört Deggendorf zur Spitze der Liga. Für 2025/26 wird ein Schnitt von rund 2.324 Zuschauern ausgewiesen – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Wie reisefreudig die DSC-Anhänger sind, bekamen etwa die Erding Gladiators zu spüren: Rund 400 Deggendorfer Fans begleiteten ihre Mannschaft im Februar 2026 nach Erding. Für die Tigers bedeutet das: Nicht nur auswärts wartet eine starke Kulisse. Auch in Dornbirn dürfen wir bei den Duellen mit Deggendorf durchaus mit einigen Gästefans rechnen.
Die „Festung an der Trat“
Gespielt wird im Eisstadion Deggendorf an der Trat. Die Halle wurde zwischen 2016 und 2018 grundlegend saniert und im August 2018 wiedereröffnet. Rund 4,9 Millionen Euro wurden investiert, unter anderem in neue Umkleiden, LED-Beleuchtung und barrierefreie Bereiche. Der Verein und die Stadt bezeichnen das Stadion gerne als „Festung an der Trat“ – bei über 2.000 Zuschauern ist schnell nachvollziehbar, woher der Name kommt.
Schon gewusst?
Deggendorf war 2018 sportlich so erfolgreich, dass für den Aufstieg in die DEL2 kurzfristig auch das Stadion angepasst werden musste. Die Stadt sagte die notwendigen Umbauten zu, Sponsoren erhöhten ihr Engagement und bereits vor der endgültigen Lizenzentscheidung lagen rund 700 Dauerkarten-Vorbestellungen vor.
Wenn ihr schon dort seid …
Deggendorf liegt direkt an der Donau und am Tor zum Bayerischen Wald. Sehenswert sind die historische Innenstadt mit dem Alten Rathaus, die Stadtplätze und das Altstadtviertel. Eine etwas ungewöhnlichere lokale Geschichte wartet ebenfalls: die „Knödelwerferin“. Der Sage nach soll die Frau des Bürgermeisters 1266 einen feindlichen Späher mit einem Knödel vertrieben und damit geholfen haben, die Stadt vor einem Angriff zu bewahren. Heute erinnert ein Brunnen daran.
Unser Tipp: Innenstadt anschauen, die berühmte Knödelwerferin suchen – und anschließend in die „Festung an der Trat“. Für Eishockeyfans dürfte Deggendorf eines der atmosphärisch interessantesten Auswärtsziele der Saison werden.
Passau Black Hawks – gerettet in letzter Minute
Die Geschichte der Passau Black Hawks ist wesentlich jünger – und gerade deshalb bemerkenswert. Der Club wurde 1997 gegründet. Der reguläre Ligenspielbetrieb begann erst 2003, nachdem mit der neuen Eis-Arena endlich eine entsprechende Heimstätte zur Verfügung stand. Und dann ging es schnell. Schon 2006 wurden die Black Hawks Landesliga-Meister und gewannen zusätzlich den Bayernkrug-Pokal. Ein Jahr später folgte der nächste große Schritt: Passau wurde Bayerischer Meister 2007 und stieg erstmals in die Oberliga auf.
Ein kompletter Neustart
2012 folgte allerdings ein tiefer Einschnitt. Eine geplante Ausgliederung der Oberliga-Mannschaft scheiterte und Passau zog sich aus der dritten Liga bis hinunter in die Bezirksliga zurück. Von dort kämpfte sich der Club wieder nach oben. Bereits 2013 gelang der erste Wiederaufstieg, 2016 ging es zurück in die Bayernliga. Nach der Saison 2019/20 erhielt Passau als Bayernliga-Vizemeister schließlich die Möglichkeit zur Rückkehr in die Oberliga. Seit 2020 gehören die Black Hawks wieder durchgehend zur Oberliga Süd.
2025/26: sportlich so erfolgreich wie lange nicht
Die vergangene Saison brachte sportlich einen großen Schritt nach vorne. Passau erreichte zunächst die Pre-Playoffs und setzte sich dort mit 4:1 und 5:2 gegen den SC Riessersee durch. Damit erreichten die Black Hawks das Playoff-Achtelfinale – die erfolgreichste Saison der jüngeren Passauer Oberliga-Geschichte. Der Zuschauerschnitt lag dabei bei über 800 Besuchern pro Heimspiel, laut regionaler Berichterstattung mehr als bei jeder anderen regelmäßig stattfindenden Sportveranstaltung in Passau. Doch ausgerechnet nach dieser sportlich starken Saison stand der Verein plötzlich vor dem Aus.
41 Tage zwischen Rückzug und Rettung
Anfang April 2026 erklärten die Verantwortlichen zunächst, dass aus wirtschaftlichen Gründen kein Oberliga-Spielbetrieb 2026/27 mehr möglich sei. Es fehlte eine niedrige sechsstellige Summe, um die Saison auf eine solide Basis zu stellen. Was danach passierte, dürfte den Club noch lange prägen. Fans, Sponsoren, Gläubiger und neue Unterstützer mobilisierten sich. Es gab eine Spendenkampagne, ein Dartturnier, eine Trikotversteigerung und intensive Gespräche mit möglichen neuen Gesellschaftern.
Nach 41 Tagen der Ungewissheit kam am 13. Mai die Kehrtwende: Die Black Hawks nahmen ihren Rückzug zurück. Der Oberliga-Spielbetrieb war gerettet. Der DEB bestätigte Passau anschließend offiziell als Teilnehmer der Oberliga Süd 2026/27. Damit bekommt die kommende Saison für die Black Hawks vermutlich eine ganz besondere Bedeutung.
Die Eis-Arena Passau
Seit 2003 spielt der Club in der Eis-Arena Passau. Sie bietet Platz für 1.500 Zuschauer, darunter rund 200 Sitzplätze. Damit gehört sie zu den kleineren Hallen der Oberliga – dafür sitzen beziehungsweise stehen die Fans entsprechend nahe am Geschehen.
Schon gewusst?
Das erste Ligaspiel der Black Hawks im Jahr 2003 endete mit einem Ergebnis, das man heute wohl eher vom Nachwuchs kennt: Passau besiegte den USC München mit 19:1. Beim ersten offiziellen Heimspiel in der neu errichteten Eis-Arena wenige Wochen später kamen bereits mehr als 1.000 Zuschauer.
Wenn ihr schon dort seid …
Hier wird aus der Auswärtsfahrt fast automatisch ein Städtetrip. Passau ist die berühmte Dreiflüssestadt. An der Ortspitze treffen Donau, Inn und Ilz aufeinander – bei entsprechenden Bedingungen sind die unterschiedlichen Wasserfarben sogar nebeneinander sichtbar. Dazu kommen der barocke Dom St. Stephan, dessen Orgel mit 17.974 Pfeifen und 233 Registern als größte Domorgel der Welt beschrieben wird, die Veste Oberhaus sowie die Altstadt zwischen Donau und Inn.
Unser Tipp: Passau schreit geradezu nach einer Übernachtungs-Auswärtsfahrt. Altstadt, Dreiflüsseeck, Wirtshaus und danach Eishockey – viel besser lässt sich ein Oberligaspiel kaum verpacken.
Erding Gladiators – zurück auf der Oberliga-Bühne
Der dritte Club dieses Teils ist gleichzeitig der jüngste Rückkehrer in die Oberliga. Die Eishockeyabteilung des TSV Erding wurde 1978 gegründet und begann in der Landesliga Bayern. Bereits drei Jahre später folgte der Aufstieg in die Bayernliga – und von dort ging die Reise über die Jahre bis weit nach oben.
Bis in die zweithöchste deutsche Spielklasse
Zu den großen Erfolgen des Erdinger Eishockeys gehören der Aufstieg in die 1. Liga Süd 1994 und vor allem die deutsche Zweitliga-Vizemeisterschaft 1997. Später folgten schwierigere Jahre und Neuaufbauten. Weitere Titel waren die Landesliga-Meisterschaften 2004 und 2016, außerdem wurde Erding 2011 Bayerischer Vizemeister. Im Nachwuchs gewann der Verein 2003 sogar die Deutsche Jugendmeisterschaft.
Das „Wunder von Erding“
Der bislang letzte große Erfolg ist noch ganz frisch. 2024/25 erreichten die Gladiators das Finale der Bayernliga gegen den EHC Königsbrunn. Die Serie ging über die volle Distanz bis in Spiel sieben. Vor 3.000 Zuschauern in ausverkaufter Halle gewann Erding das entscheidende Finale mit 3:2 nach Verlängerung und wurde Bayerischer Meister 2025. Damit war gleichzeitig der Weg zurück in die Oberliga frei. Der DEB sprach beim Start der Saison 2025/26 vom Oberliga-Comeback – zuvor hatte Erding zuletzt 2014/15 in der dritten Liga gespielt.
Erstes Jahr geschafft
Die Premierensaison nach der Rückkehr war erwartungsgemäß schwierig. Erding kämpfte lange um einen Platz in den Pre-Playoffs, verpasste ihn letztlich jedoch knapp. Am letzten Spieltag unterlagen die Gladiators vor 1.439 Zuschauern dem EV Füssen mit 2:4. Damit endete die Saison nach der Hauptrunde. Dass der Aufsteiger durchaus mit den Großen mithalten konnte, bewies er wenige Tage zuvor eindrucksvoll: Erding schlug den späteren Süd-Meister Deggendorf mit 4:1. 2026/27 geht Erding nun in seine zweite Oberliga-Saison nach dem Wiederaufstieg.
Stadtwerke Erding Arena
Die Gladiators tragen ihre Heimspiele in der Stadtwerke Erding Arena aus. Das geschlossene Stadion wurde 1992 errichtet und 2020 modernisiert; die Kapazität wird mit rund 2.775 Plätzen angegeben. Dass die Halle voll werden kann, zeigte das Bayernliga-Finale 2025 eindrucksvoll. Der Club selbst beschreibt die Entwicklung der vergangenen Jahre als neue Begeisterung rund um den Eishockeysport in der Region.
Schon gewusst?
Einer der bekanntesten Spieler aus dem Erdinger Nachwuchs ist Felix Schütz. Der langjährige deutsche Nationalspieler gewann 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Silber. Und auch aktuell reicht die Erdinger Nachwuchsschule bis ganz nach oben: NHL-Spieler und deutscher Nationalspieler Josh Samanski ist ein Eigengewächs des TSV Erding und trainierte im August 2026 sogar mit den Gladiators.
Wenn ihr schon dort seid …
Bei Erding dürfte vielen zuerst etwas anderes als Eishockey einfallen: die Therme Erding. Sie bezeichnet sich als größte Therme der Welt und bietet auf rund 185.000 Quadratmetern unter anderem 40 Pools und Wasserbecken, 38 Saunen und Dampfbäder sowie 28 Rutschen. 2025 verzeichnete die Anlage rund 1,95 Millionen Besucher.
Wer es etwas traditioneller möchte, kann durch die Erdinger Altstadt spazieren. Bei Stadtführungen gehören die historische Altstadt und der Stadtturm von St. Johannes zu den Schwerpunkten; von dessen Plattform reicht der Blick bei gutem Wetter bis zu den Alpen. Und ja: Mit Erding verbindet man natürlich auch die gleichnamige Weißbierbrauerei.
Unser Tipp: Für die ganz Motivierten: Samstag Therme, Sonntag Eishockey. Man muss Auswärtsfahrten schließlich nicht unnötig kurz halten.
Nächstes Heimspiel: Dienstag, 08.09.2026 um 20:00 Uhr gegen den EV Lindau Islanders



