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Oberliga Teil 2: Drei oberbayerische Eishockey-Urgesteine

(mk)Nach Lindau, Füssen und Kaufbeuren führt uns der zweite Teil unserer Serie über die neuen Gegner in der Oberliga Süd mitten hinein in die oberbayerische Eishockeytradition.

Mit dem SC Riessersee, den Tölzer Löwen und dem EC Peiting warten drei Clubs auf die HC Tigers, bei denen Eishockey teilweise seit mehr als einem Jahrhundert zum Standort gehört. Zehn deutsche Meisterschaften treffen auf zwei Meistertitel, große Bundesliga-Vergangenheit auf jahrzehntelange Oberliga-Konstanz – und nebenbei bieten alle drei Auswärtsfahrten auch abseits des Eises einiges.

SC Riessersee – zehn Meisterschaften am Fuße der Zugspitze
Bei kaum einem Gegner der kommenden Saison ist der Begriff „Traditionsverein“ derart angebracht wie beim SC Riessersee. Der Sportclub wurde 1920 gegründet, seit Dezember 1923 wird beim SCR Eishockey gespielt. 2023 feierte die Abteilung damit bereits ihren 100. Geburtstag. Und die Erfolgsliste ist beeindruckend: Zehnmal wurde der SC Riessersee Deutscher Meister – zuletzt 1981. Weitere 16 Mal stand der Club im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. 1982 folgte sogar noch Rang drei im Europapokal.

Damit gehört Riessersee zu den großen Namen der deutschen Eishockeygeschichte. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1987 pendelte der SCR lange zwischen zweiter und dritter Leistungsstufe. 1995/96 gab es nochmals ein kurzes Gastspiel in der damals neuen DEL, ehe finanzielle Gründe den Rückzug notwendig machten. Später war Garmisch-Partenkirchen viele Jahre in der 2. Bundesliga beziehungsweise DEL2 vertreten. Seit 2018 spielt der SCR wieder in der Oberliga Süd. Auch in der dritten Liga konnte der Club bereits einen Titel feiern: 2011 wurde Riessersee Oberliga-Meister.

Die vergangene Saison

2025/26 verlief für den Traditionsclub schwieriger. Riessersee beendete die Hauptrunde im hinteren Tabellenbereich und musste über die Pre-Playoffs. Dort war gegen die Passau Black Hawks nach zwei Niederlagen bereits Schluss. Das sollte aber niemanden darüber hinwegtäuschen, welche Strahlkraft dieser Name weiterhin besitzt. Selbst in einer sportlich schwierigen Saison kamen zu einzelnen Heimspielen deutlich mehr als 1.500 Zuschauer.

Das Stadion: Olympia-Eissportzentrum

Schon die Spielstätte macht die Reise besonders. Gespielt wird im Olympia-Eissportzentrum Garmisch-Partenkirchen, dessen Geschichte eng mit den Olympischen Winterspielen 1936 verbunden ist. Nach mehreren Umbauten fasst die große Halle heute 6.868 Zuschauer und ist damit eine der größten Spielstätten der Oberliga. Zum Komplex gehören zwei überdachte Eisflächen sowie weitere Sportanlagen. Wer auf alte Eishockeyhallen mit Geschichte steht, dürfte sich diesen Auswärtstermin ziemlich dick im Kalender anstreichen.

Schon gewusst?

1987 deckte ein gewaltiger Föhnsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 km/h das Dach des Stadions vollständig ab. Der SCR musste seine Heimspiele vorübergehend auswärts austragen.

Wenn ihr schon dort seid …

Über Garmisch-Partenkirchen müssen wir wahrscheinlich nicht allzu viel erzählen. Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze, liegt praktisch vor der Haustüre. Dazu kommen die historische Ludwigstraße in Partenkirchen und natürlich die Partnachklamm, eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Region. Die Klamm ist auch für Besucher zugänglich, wobei sich gerade im Winter ein vorheriger Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten empfiehlt.

Unser Tipp: Wenn das Spiel an einem Sonntag stattfindet, ruhig einige Stunden früher anreisen. Garmisch-Partenkirchen ist definitiv einer jener Oberliga-Standorte, bei denen sich aus einer Auswärtsfahrt problemlos ein ganzer Tagesausflug machen lässt.

Tölzer Löwen – eine der großen Talentschmieden Deutschlands
Nicht ganz so viele Meisterschaften wie Riessersee, aber mindestens ebenso viel Eishockeytradition bringt Bad Tölz mit. Die Tölzer Löwen beziehungsweise der traditionsreiche EC Bad Tölz stehen seit Jahrzehnten vor allem für eines: Nachwuchsarbeit. Unzählige deutsche Nationalspieler gingen durch die Tölzer Schule, und der Standort gilt bis heute als eine der bekanntesten Talentschmieden des Landes.

Auch die erste Mannschaft hinterließ große Spuren in der deutschen Eishockeygeschichte. 1962 und 1966 wurde Bad Tölz Deutscher Meister. Dazu kommen die Oberliga-Meisterschaften 1994 und 2012. Diese vier Titel führt der Club auch heute prominent in seiner Außendarstellung. Über Jahrzehnte war Bad Tölz in den beiden höchsten deutschen Spielklassen vertreten. Zuletzt spielten die Löwen von 2017 bis 2022 in der DEL2, ehe wirtschaftliche Schwierigkeiten den Neustart in der Oberliga notwendig machten.

2025/26 wieder in der Spitzengruppe

Sportlich gehören die Löwen inzwischen wieder zu den stärkeren Clubs der Oberliga Süd. In der vergangenen Saison schloss Bad Tölz die Hauptrunde auf Rang drei ab. Im Achtelfinale entwickelte sich gegen die Hammer Eisbären eine dramatische Serie, die erst im fünften und entscheidenden Spiel entschieden wurde. Vor eigenem Publikum gewannen die Löwen 6:2 und zogen ins Viertelfinale ein. Dort warteten mit den Tilburg Trappers einer der stärksten Clubs der gesamten Oberliga. Für die Tigers wird Bad Tölz damit nicht nur wegen seiner Historie, sondern auch sportlich eine der anspruchsvollen Adressen der Liga.

Die Hacker-Pschorr Arena

Die Löwen tragen ihre Heimspiele in der Hacker-Pschorr Arena aus. Das Stadion bietet rund 4.300 Zuschauern Platz. Die steilen Tribünen und die Nähe zum Eis sorgen für eine klassische Eishockeyatmosphäre. Schwarz und Gelb dominieren die Halle – und gerade bei wichtigen Spielen kann es dort entsprechend laut werden.

Schon gewusst?

Bad Tölz hat mit seinen rund 19.000 Einwohnern über Jahrzehnte eine erstaunliche Zahl an Spitzenspielern hervorgebracht. Die Nachwuchsarbeit ist so stark mit dem Club verbunden, dass „Tölzer Schule“ im deutschen Eishockey beinahe als eigener Begriff funktioniert. Damit treffen in der kommenden Saison zwei Vereine aufeinander, die trotz völlig unterschiedlicher Geschichte eine sehr ähnliche Philosophie verfolgen: jungen Spielern Eiszeit geben und sie für höhere Aufgaben entwickeln.

Wenn ihr schon dort seid …

Bad Tölz ist weit mehr als nur Eishockey. Die historische Marktstraße mit ihren farbenprächtigen Häuserfassaden bildet das Herz der Altstadt. Dazu kommen die Isar, zahlreiche traditionelle Gasthäuser und das Alpenpanorama. Wer vor dem Spiel etwas Zeit hat, braucht hier eigentlich kein großes Programm: durch die Marktstraße schlendern, an der Isar entlanggehen, etwas essen – und anschließend ins Stadion.

Unser Tipp: Bad Tölz ist einer der Orte, bei denen sich bayerische Wirtshauskultur und Eishockey ziemlich unkompliziert miteinander verbinden lassen.

EC Peiting – das gallische Dorf der Oberliga
Wenn Riessersee für große Titel und Tölz für Nachwuchsarbeit steht, dann verkörpert der EC Peiting etwas anderes: Beständigkeit. Peiting bezeichnet sich selbst völlig zu Recht als dienstältesten Club der aktuellen Oberliga Süd. Seit der Saison 2000/01 gehört der Verein ohne Unterbrechung der Oberliga an.

Und das in einer Marktgemeinde mit gerade einmal rund 12.000 Einwohnern. Das erklärt auch den Spitznamen, den der Verein selbst offensiv verwendet: „das gallische Dorf“. Kleinere wirtschaftliche Basis, überschaubarer Standort – und trotzdem seit Jahrzehnten konkurrenzfähiges Eishockey auf dritthöchstem deutschem Niveau.

Erfolge, die sich sehen lassen können

Auch Peiting besitzt eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Bereits 1974 wurde der Club Deutscher Oberliga-Meister und stieg anschließend in die 2. Bundesliga auf. 1982 wurde Peiting Süddeutscher Meister, 1993 folgte die deutsche Regionalliga-Meisterschaft. In der jüngeren Oberliga-Geschichte wurde der ECP gleich dreimal Meister der Oberliga Süd: 2012, 2013 und 2019. 2009 und 2010 erreichte Peiting außerdem jeweils das Oberliga-Finale und wurde deutscher Vizemeister.

Auch der Nachwuchs kann Titel vorweisen: 2011 und 2014 wurden die Peitinger Junioren Deutscher Meister. Für einen Standort dieser Größe ist diese Bilanz durchaus außergewöhnlich.

Weiterhin mitten im Oberliga-Geschäft

Auch 2025/26 bestätigte Peiting seine enorme Konstanz. Nach der Hauptrunde stand der ECP im erweiterten Mittelfeld. Aufgrund der nachträglichen Tabellenkonstellation qualifizierte sich Peiting sogar direkt für die Playoffs. Damit geht der Verein 2026/27 einmal mehr in jene Liga, die längst zu seiner sportlichen Heimat geworden ist.

Eissporthalle Peiting

Die Heimspiele finden in der Eissporthalle Peiting in der Alfons-Peter-Straße statt. Das 1972 eröffnete Stadion bietet rund 2.500 Zuschauern Platz. Hier wartet weniger Hochglanzarena als klassisches Oberliga-Eishockey: überschaubare Halle, kurze Wege und Zuschauer nahe am Eis. Und genau das dürfte den Reiz dieser Auswärtsfahrt ausmachen.

Schon gewusst?

Peiting gehört seit mehr als einem Vierteljahrhundert ununterbrochen zur Oberliga. Während zahlreiche größere Clubs in dieser Zeit auf- und abgestiegen, insolvent geworden oder neu gegründet worden sind, spielt das „gallische Dorf“ einfach weiter. Dazu kommt eine bemerkenswerte Nachwuchsarbeit: Der Verein wurde auch zuletzt wieder im Nachwuchsförderprogramm des deutschen Eishockeys ausgezeichnet.

Wenn ihr schon dort seid …

Peiting ist natürlich kein Garmisch-Partenkirchen – und genau darin liegt vielleicht der Charme. Der Ort liegt mitten im Pfaffenwinkel, einer der klassischen oberbayerischen Kulturlandschaften. Von hier aus sind unter anderem Schongau, Rottenbuch und die Wieskirche schnell erreichbar. Auch Richtung Oberammergau, Ettal und Schloss Linderhof bieten sich zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten.

Wer einfach nur zum Eishockey möchte, findet rund um Peiting dagegen genau das, was man sich bei einer klassischen bayerischen Auswärtsfahrt vorstellt: Landschaft, Wirtshaus – und anschließend Oberliga-Eishockey.

Nächstes Heimspiel: Mittwoch, 26.08.2026 um 20:00 Uhr gegen den EHC Arosa

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