Schutzmaßnahmen für Wiesenbrüter
Bregenz (VLK) – Mit dem Kiebitz steht 2026 ein besonders schützenswerter Vogel im Mittelpunkt: BirdLife Österreich hat ihn zum „Vogel des Jahres“ gekürt. In Vorarlberg ist der Kiebitz stark gefährdet – und mit ihm weitere seltene Wiesenvögel wie der Große Brachvogel, das Braunkehlchen und die Bekassine. Seit 2005 wird das Projekt „Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg“ vom Naturschutzbund Vorarlberg gemeinsam mit den Niederwildrevieren umgesetzt. Unterstützt wird es vom Land Vorarlberg, von Gemeinden sowie der Vorarlberger Jägerschaft. „Der Schutz der Wiesenvögel ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass das Miteinander wirkt und sich der Einsatz lohnt“, so Landesrat Christian Gantner.
Der Lebensraum des Kiebitzes – feuchte, extensiv genutzte Wiesen mit freier Sicht – hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Entwässerung und Kultivierung stark verändert. Viele Kiebitze brüten heute auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Erhebungen der vergangenen Jahre zeigen, dass der überwiegende Teil der Gelegeverluste auf natürliche Feinde wie Fuchs oder Marder zurückzuführen ist – beim Großen Brachvogel mindestens 88 Prozent, beim Kiebitz mindestens 83 Prozent. Gleichzeitig kann es während der Bewirtschaftung in der Brutzeit vereinzelt zu Verlusten kommen. Das Projekt setzt daher auf eine enge Abstimmung mit den Bewirtschaftern vor Ort sowie auf begleitende Maßnahmen zum Schutz der Gelege.
Das Wiesenbrüterprojekt ist eine zentrale Naturschutzinitiative mit dem Ziel, bedrohte Wiesenvögel und ihre Lebensräume zu schützen. Die Riedgebiete im nördlichen Vorarlberger Rheintal zählen zu den bedeutendsten Wiesenbrütergebieten der Bodenseeregion. Rund 80 Prozent des Kiebitzbestandes der gesamten Bodenseeregion brütet hier.
Messbare Erfolge
Seit 2019 konnte der Bruterfolg der Kiebitze in Vorarlberg auf ein Niveau stabilisiert werden, das zur Bestandserhaltung beiträgt. Eine positive Entwicklung, die sowohl die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen als auch die Wirksamkeit unterstreicht. Besonders wirksam ist das Anlegen sogenannter „Kiebitzäcker“. Diese Felder werden mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der bedrohten Art bewirtschaftet. Der Nutzen der Maßnahme zeigt sich deutlich im Bruterfolg: Der aktuelle Projektbericht von 2024/25 zeigt, dass der Bruterfolg in den Kiebitzäckern mit 1,3 flüggen Jungtieren pro Brutpaar fast doppelt so hoch war wie auf nicht betreuten Äckern und diese damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Population leistet.
Für die kommenden Jahre liegt ein Schwerpunkt auf der weiteren Verbesserung des Lebensraumes. Wiesenbrüter wie der Kiebitz sind auf feuchte bis nasse Böden zur Nahrungssuche angewiesen. Längere Trockenperioden und zunehmende Hitzesommer stellen daher auch im Rheintal eine Herausforderung dar. Ziel ist es, offene Wasserflächen zu erhalten und den Wasserrückhalt in den Riedgebieten weiter zu verbessern.
Abschließend betont Landesrat Gantner: „Mein Dank gilt allen, die sich an diesem Projekt beteiligen – insbesondere jenen, die draußen in den Riedgebieten mitarbeiten, im engen Austausch mit den Bewirtschaftern sind und mit persönlichem Einsatz zum Erhalt dieses besonderen Lebensraums beitragen.“
Foto: Kiebitz/Dietmar Hollenstein


