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Skispringer Niklas Bachlinger muss für die erste Saisonhälfte bitteres Lehrgeld zahlen – Eine erste Analyse

(fb)Mit dem Ziel, auf der Großschanze HS140 von Lillehammer wieder in Schwung zu kommen, ist Niklas Bachlinger zum Continental Cup nach Norwegen gereist. Mit Platz 4 hat der Schoppernauer im Winter 2025 dort sein bestes Ergebnis erreicht. Doch der Wind hat den Schwung eher genommen. Mit Platz 20 am Samstag (31. Januar) und Platz 12 am Sonntag (1. Februar) waren die Ergebnisse die Leistungen von Niklas jedoch durchaus gut. Insbesondere am Sonntagvormittag bei überraschend fairen Verhältnissen gab es Lichtblicke.

Der Wettkampf am Samstagnachmittag war alles andere als fair, oder der Wind meinte es vielleicht nur mit den Norwegern und den Deutschen Athleten gut. Für die Startnummer 48 Isak Andreas Langmo (NOR) wurde ohne Not um eine Lucke verkürzt, weil der 21-jährige Weltcupspringer im Training durchwegs große Weiten erreicht hatte. Langmo nutzte seine guten Windverhältnisse (0,6 m/s) und legte mit 136,5 Meter vor. Danach konnten der Tiroler Raffael Zimmermann (6.) und der Norweger Gundersrud (7.) Aufwind bis zu 1 m/s nutzen und erzielten jeweils Weiten von 126,5 Meter. Im Anschluss folgte mit Aschenwald, Landerer, Bachlinger und Müller ein Österreicher Paket, und der Wind schlief plötzlich komplett ein.

Philipp Aschenwald sprang bei Windstille, landete bei 108,5 Meter und war als Vierzigster im 2. Durchgang nicht mehr dabei. Ebenso Hannes Landerer, der mit wenig Aufwind und 105,0 Meter gar nur auf Platz 47 landete.

Niklas Bachlinger zog sich ohne Windunterstützung (0,06 m/s) mit 115,0 Meter noch gut aus der Affäre und schaffte es als 23. zumindest noch in den zweiten Durchgang. Markus Müller, vom Weltcup in den COC zurückgekehrt, sprang ohne Aufwind 126,5 Meter und reihte sich zur Halbzeit auf Rang vier ein. Mit einem Rückstand von 24 Punkten auf den nachfolgende Norweger Joergen Oliver Stroem, der plötzlich 0,9 m/s Aufwind hatte und auf 141,5 Meter segelte.

Die Norweger nutzten im wahrsten Sinne des Wortes ihren Heimvorteil und erzielten einen Dreifachsieg durch Stroem, Langmo und Joergensen. Acht Norweger schafften es in die Top Zwölf.

Der Kärntner Markus Müller hatte als Vierter einen Rückstand von 50 Punkten auf den Sieger. Die Deutschen Ben Bayer und Martin Hamann belegten die Plätze 7 und 8., der Slowene Zak Mogel Rang 9. Im zweiten Durchgang wechselten der Wind zwischen 1 m/s Aufwind bis zu -1 m/s Rückenwind und die Startgates zwischen 8 und 11.

Die weiteren Österreicher rangierten im Endergebnis auf P13 Clemens Leitner, P15 Raffael Zimmermann, P17 Stefan Rainer und P20 Niklas Bachlinger, der sich mit einem soliden Sprung auf 123,5 Meter noch um drei Plätze verbessern konnte. Am Ende wieder ein verlorener Tag, mit einer positiven Erkenntnis. Niklas konnte mit dem neuen Sprungski bei der Anlaufgeschwindigkeit überraschend mit den Schnellsten „Abfahrern“ mithalten. Nachdem er beim ersten Trainingssprung mit dem „Notski“ wieder bei den Langsamsten war, wechselte er für den Trial Sprung auf einen neuen Ski und verwendete diesen schließlich auch im Wettkampf. So war das erste Springen zumindest ein guter Skitest.

Das machte sich bereits am Sonntag bezahlt. Niklas war beim zweiten Wettbewerb in der Spur plötzlich bei den Schnellsten und erzielte dadurch auch ansprechende Weiten. Die Windverhältnisse am Sonntagvormittag waren wesentlich konstanter und der Wettkampf damit absolut fair.

Mit Weiten von 125,0 Meter (Rang 15 nach dem ersten Durchgang) und 129,5 Meter beendete Niklas Bachlinger das Lillehammer-Abenteuer als viertbester Österreicher mit einem 12. Platz. Es siegte Isak Andreas Langmo, 1,1 Punkte vor Markus Müller und 15,1 Punkte vor Joergen Oliver Stroem.

Rückkehrer Philipp Aschenwald konnte nach der Enttäuschung vom Vortag mit 132,0 und 137,0 Meter wieder seine gute Form unter Beweis stellen und Rang 4 belegen. Raffael Zimmerman erreichte mit Platz 7 sein zweitbestes Saisonergebnis. Rainer (P14), Landerer (P15) und Leitner (P17) reihten sich knapp hinter Bachlinger ein.

Nach der ersten Saisonhälfte liegt Niklas Bachlinger in der COC-Gesamtwertung auf Rang 11. Trotzdem muss sich der 24-jährige Schoppernauer auf ein Trainingsmonat einstellen. Bedingt durch die Olympischen Spiele, wo nur vier Österreicher startberechtigt sind, werden für die weitere COC-Serie in Kranj, Oberhof und Iron Mountain, vier Athleten aus dem Weltcupteam von Willingen einen Fixplatz haben.

Dazu mit Sicherheit auch Müller und Aschenwald. Der siebente Startplatz wird an Leitner oder Zimmermann gehen. Sofern die Trainer keine anderen Entscheidungen treffen, wird für Niklas bis auf Weiteres kein Platz sein und er die nächsten fünf Wochen für einen neuen Trainingsblock nützen müssen bzw. können.

Viel Zeit, um an den kleinen Stellschrauben zu drehen, Selbstvertrauen aufzubauen und das Material wieder absolut Wettkampftauglich in den Griff zu bekommen. Es darf nichts Negatives geben, aus dem man nicht etwas Positives mitnehmen kann.

Nachdem Niklas` bevorzugter Wettkampfski vor Weihnachten zu Bruch gegangen war, stand über die Weihnachtsfeiertage und während der Vierschanzentournee kein neues Material zur Verfügung. Erst nach der Asientour erhielt Niklas zwei neue Paar Sprungski und konnte diese nur während dem Wettkampfwochenende in Eisenerz testen, was schlecht funktioniert hat.

Der Bregenzerwälder war in diesen vier Wochen bei den Geschwindigkeitsanalysen auf der letzten Seite der Ergebnislisten bei zehn Wettkämpfen und den dazugehörigen Trainingssprüngen meist bei den Langsameren zu finden. Es fehlte oft mehr als ein Km/h auf die Schnellsten, was sich natürlich enorm auf die Weite auswirken kann. Nur in Sapporo bei Schneefall war Niklas einer der Schnellsten und landete im ersten Wettkampf als Zweiter auf dem Podium.

Nach Lillehammer gibt es auch dafür eine Erklärung. Der Reserveski („Notski“, jeder Springer im COC reist zumindest mit zwei Paar Sprungski, um im Notfall einen Reserveski zu haben) hatte eine zu feine Struktur für die Eisspur und funktionierte dafür bei Neuschnee sehr gut. Einen anderen geeigneten Ski hatte Niklas in dieser Zeit jedoch nicht zur Verfügung, und man hatte die Ursache für die geringe Anlaufgeschwindigkeit eher bei der Hocke gesucht.

Offensichtlich muss man in Österreich in der zweiten Liga diese Erfahrungen am eigenen Leib machen, aber auch auf derartige Notsituationen besser vorbereitet sein. Schlussendlich muss jeder Athlet seine Sachen selber im Griff haben, um in der Weltspitze konkurrenzfähig zu sein. In Österreich mehr als in jedem anderen Land. Für den Vorarlberger gilt es zu hoffen, dass es im März noch die eine oder andere Möglichkeit gibt, die Saison erfolgreich abschließen zu können.

Foto: ÖSV

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